Landesorganisation Berlin der Kommunistischen Partei Deutschlands

Der bessere deutsche Staat:
Die Deutsche Demokratische Republik (Seite 1)

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Fragen einer Frau vom Jahrgang 38
(aus: "RotFuchs", Juli 2004)
Rund 9000 Wohnungen sind in Brandenburg bis Ende 2003 abgerissen worden, 3000 mehr als noch im November geschätzt. Bis Ende dieses Jahres sollen 15 000 Wohnungen vom Markt genommen werden. Fur den Stadtumbauprozeß stehen 2004 rund 70 Millionen Euro bereit. Spitzenreiter beim Abriß ist Schwedt. Dort wurden bisher 2550 Wohnungen entsorgt. Bis 2009 stehen fur den Rückbau von Wohnungen 173 Millionen Euro zur Verfugung, meldete die Markische Allgemeine Zeitung (MAZ) am 10. Februar 2004. Nach der Lekture dieser Nachricht schrieb ich spontan die nachfolgenden Fragen auf.
  • Wer hat sie noch in Erinnerung, die Bombennächte in Hamburg, Dresden,
    Berlin ...?
  • Gibt es friedliebende Menschen, bei denen Bilder der Ruinenfelder aus dem 2. Weltkrieg nicht Verzweiflung, Entsetzen und Wut hervorrufen?
  • Wie viele Menschen in Deutschland vegetierten nach den Kriegsgreueln jahrelang zusammengepfercht in höhlenartigen Behausungen?
  • Was empfanden Frauen, Kinder, Männer,als sie endlich in menschenwürdige, zunehmend besser ausgestattete Wohnungen einziehen konnten?
  • Hängt das Glück der Menschen in erster Linie davon ab, ob ihre Wohnung aus Lehmziegeln, Holzbalken, Mauersteinen oder Betonplatten gefertigt wurde?
  • Ist Zement ein Baustoff aus hochbasischen Verbindungen von Kalk mit Kieselsäure und Tonerde oder eine Sache mit Ideologie?
  • Wer maßt sich das Recht an zu entscheiden, welche DDR-Bauten zurückgebaut werden?
  • Wer verdient an deren Beseitigung?
  • Geht von der DDR auch heute noch eine so große Wirkung aus, daß man unbedingt alle sichtbaren Erinnerungen an sie tilgen muß?
  • Drängen sich Vergleiche auf zwischen Kriegsruinen und von der Abrißbirne ohne jede Kriegsnot zerstörten Hausern?
  • Worin liegt der "Charme" der Hinterhof-Zigarrenkisten in deutschen Großstädten?
  • Wie viele Obdachlose gibt es heute in Deutschland, besonders im Osten?
  • Wieviele Obdachlose gab es in der DDR?
  • Wie viele der 410 000 Wohnungslosen im Jahr 2003 in der BRD würden gern freiwillig eine der zentralbeheizten, warmwasserversorgten Neubauwohnungen zu DDR-Mietbedingungen bezogen haben?
  • Wie hoch waren DDR-Bürger, die in Neubauwohnungen lebten, verschuldet?
  • Wie hoch ist die Schuldenlast der "Häuslebauer" in den "neuen Bundesländern"?
  • Gibt es Beweise dafür, daß DDR-Plattenbauten instabil waren und einfielen?
  • Was ist demokratischer - ein Mietpreis von weniger als 10 % des Familieneinkommens oder einer, der fast die Hälfte der Einkünfte "auffrißt"?
  • Welchen Nutzen haben die Mieter davon, wenn - wie in der BRD - die Mieten alle drei Jahre ohne Gegenleistung um bis zu 20 % erhöht werden dürfen?
  • Wer/was trägt die Schuld daran, daß besonders junge Menschen zu Hunderttausenden gen Westen ziehen?
  • Wer berechtigt wen zum "Vom-Markt-Nehmen" der Neubauten im Osten Deutschlands?
  • Haben die uber 50 000 Bauschaffenden in Berlin bei der Errichtung der neuen Häuser in der Luisen- oder Leipziger Straße schlampiger gearbeitet als bei der Wiederherstellung der Staatsoper, des Doms oder des Schauspielhauses?
  • Wie viele Wohn- und Geschäftsbauten, die nach 1990 im Osten errichtet wurden, stehen leer?
  • Wie erstrebenswert ist das Ziel, die ostdeutsche Landschaft nach dem Vorbild des Westens zu zersiedeln?
  • Haben die Bauleute/Architekten beim Abriß "ihrer" DDR-Bauten die gleichen Gefühle wie die Schriftsteller, deren Bücher am 10. Mai 1933 verbrannt wurden oder wie die Autoren, deren Werke ab 1990 auf Müllhalden landeten?
Gerlind Jäkel ("RotFuchs", Juli 2004)